Überlastung im Arbeitsverhältnis

Überlastung im Arbeitsverhältnis

Psychische Erkrankungen sind die zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen bzw. Arbeitsunfähigkeit. Trotz insgesamt rückläufiger Krankenstände wuchs der relative Anteil psychischer Erkrankungen am Arbeitsunfähigkeitsgeschehen in den vergangenen 39 Jahren von zwei auf 14,7 Prozent. Psychische Erkrankungen sind außerdem die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühberentungen. In den letzten 21 Jahren stieg der Anteil von Personen, die aufgrund seelischer Leiden frühzeitig in Rente gingen, von 15,4 auf 43,1 Prozent. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei 48,1 Jahren. (Quellen: BKK Gesundheitsreport 2015; Deutsche Rentenversicherung Bund: Rentenversicherung in Zeitreihen 2015).

Der Arbeitgeber muss tätig werden

Immer mehr Menschen kommen durch zunehmende Arbeitsverdichtung, dadurch bedingte Überstunden und fehlende Ausgleichsmöglichkeiten unter psychischen Druck. Der Gesetzgeber reagierte bereits vor Jahren mit der Verpflichtung des Arbeitgebers, präventiv tätig zu werden bei der Ausgestaltung des Arbeitsplatzes, aber auch durch die Pflicht zur Wiedereingliederung nach Krankheit (betriebliches Eingliederungsmanagement). Zuletzt wurde bei der Beurteilung des Arbeitsplatzes die Verpflichtung zur Gefährdungsbeurteilung der Arbeitsbedingungen mit Blick auf psychosoziale Belastungsfaktoren in § 5 ArbSchG eingefügt. Zu solchen psychosozialen Belastungsfaktoren zählen Arbeitsorganisation, Arbeitsumgebung, soziale Beziehungen und diese können eigentlich nur über geeignete Mitarbeiterbefragungen ermittelt werden.

Was sollte die betroffene Peron unternehmen?

Mitarbeiter, die sich akut überlastet fühlen, sollten Folgendes wissen und beachten:

  • Der Mitarbeiter hat die gesetzliche Nebenpflicht, Überlastungen im Arbeitsverhältnis gegenüber dem Arbeitgeber anzuzeigen, da daraus Gefahren für Kollegen, aber auch finanzielle Schäden für den Arbeitgeber entstehen können. Diese Verpflichtung ergibt sich aus § 16 ArbSchG. Man nennt diese Anzeige Gefährdungs- (Überlastungs-) anzeige. Der Arbeitgeber muss auf eine solche Anzeige umgehend reagieren. Die Anzeige führt zu einer Entlastung des Mitarbeiters, weil eine Haftung wegen Vorsatzes oder grober Fahrlässigkeit ausgeschlossen wird. Bei einer Überlastung eines Mitarbeiters muss jedoch sofort gehandelt werden. Die Anzeige sollte auch beim Betriebsrat eingereicht werden. Bitte führen Sie in der Anzeige unbedingt aus, welche objektiven Arbeitsbedingungen (Überstunden etc.) Ihre Arbeit zunehmend erschweren.
  • Sie können den Arbeitgeber zur Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung, bezogen auf psychische Belastungen, auch gerichtlich verpflichten lassen:
  • Auf jeden Fall: Handeln Sie frühzeitig!